Home Markenrecht Entscheidungen

Markenrecht - Zulässigkeit der AdWord-Werbung bei Google

In drei am 22.02.2009 verkündeten Entscheidungen hat sich der u. a. für das Markenrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs mit der kennzeichenrechtlichen Beurteilung der Verwendung fremder Kennzeichen als Schlüsselwörter (Keywords) im Rahmen der von der Suchmaschine Google eröffneten Möglichkeit der Werbung mit sog. AdWord-Anzeigen befasst. In zwei Sachen hat der Bundesgerichtshof Ansprüche der Kennzeicheninhaber verneint, in der dritten Sache hat er dem Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften (EuGH) eine Frage zur Auslegung der Markenrechtsrichtlinie vorgelegt

In den Verfahren ging es um die in der Instanzrechtsprechung unterschiedlich beurteilte Frage, ob es eine Kennzeichenverletzung darstellt, wenn ein Dritter ein fremdes Kennzeichen (also eine Marke oder eine Unternehmensbezeichnung) oder eine dem geschützten Zeichen ähnliche Bezeichnung einem Suchmaschinenbetreiber gegenüber als Schlüsselwort angibt mit dem Ziel, dass bei der Eingabe dieser Bezeichnung als Suchwort in die Suchmaschine in einem von der Trefferliste räumlich getrennten Werbeblock eine als solche gekennzeichnete Anzeige des Dritten (mit Link auf dessen Website) als Werbung für seine Waren oder Dienstleistungen erscheint. In den entschiedenen Fällen enthielt die Anzeige weder das als Suchwort verwendete fremde Zeichen noch sonst einen Hinweis auf den Kennzeicheninhaber oder auf die von diesem angebotenen Produkte.

Im ersten Verfahren – I ZR 125/07 – hatte die beklagte Anbieterin von Erotikartikeln gegenüber Google das Schlüsselwort "bananabay" angegeben. "Bananabay" ist für die Klägerin, die unter dieser Bezeichnung ebenfalls Erotikartikel im Internet vertreibt, als Marke geschützt. Ist eine als Schlüsselwort benutzte Bezeichnung – wie in diesem Fall – mit einer fremden Marke identisch und wird sie zudem für Waren oder Dienstleistungen benutzt, die mit denjenigen identisch sind, für die die fremde Marke Schutz genießt, hängt die Annahme einer Markenverletzung in einem solchen Fall nur noch davon ab, ob in der Verwendung der geschützten Bezeichnung als Schlüsselwort eine Benutzung als Marke im Sinne des Markengesetzes liegt. Da die Bestimmungen des deutschen Rechts auf harmonisiertem europäischen Recht beruhen, hat der Bundesgerichtshof das Verfahren ausgesetzt, um dem Europäischen Gerichtshof diese Frage zur Vorabentscheidung nach Art. 234 EG-Vertrag vorzulegen.

Im zweiten Verfahren – I ZR 139/07 – standen sich zwei Unternehmen gegenüber, die über das Internet Leiterplatten anbieten. Für die Klägerin ist die Marke "PCB-POOL" geschützt. Der Beklagte hatte bei Google als Schlüsselwort die Buchstaben "pcb" angemeldet, die von den angesprochenen Fachkreisen als Abkürzung für "printed circuit board" (englisch für Leiterplatte) verstanden werden. Die Adword-Anmeldung von "pcb" hatte zur Folge, dass auch bei Eingabe von "PCB-POOL" in die Suchmaschine von Google in dem gesonderten Anzeigenblock neben der Trefferliste eine Anzeige für Produkte des Beklagten erschien. Der Bundesgerichtshof hat in diesem Fall die Klage unter Aufhebung des Berufungsurteils abgewiesen. Der Markeninhaber kann in der Regel die Verwendung einer beschreibenden Angabe (hier "pcb") auch dann nicht untersagen, wenn sie markenmäßig benutzt und dadurch die Gefahr einer Verwechslung mit der geschützten Marke begründet wird. Der Bundesgerichtshof hat in diesem Fall eine markenrechtlich erlaubte beschreibende Benutzung angenommen. Da eine Kennzeichenverletzung schon aus diesem Grund zu verneinen war, kam es auf die in dem Verfahren I ZR 125/07 dem Europäischen Gerichtshof vorgelegte Rechtsfrage nicht mehr an.

Am dritten Verfahren – I ZR 30/07 – war ebenfalls die Klägerin des zweiten Verfahrens – sie führt die Unternehmensbezeichnung "Beta Layout GmbH" – beteiligt. Hier ging es darum, dass ein anderer Wettbewerber bei Google als Schlüsselwort die Bezeichnung "Beta Layout" anmeldet hatte. Auch in diesem Fall erschien immer dann, wenn ein Internetnutzer bei Google als Suchwort "Beta Layout" eingab, neben der Trefferliste ein Anzeigenblock mit einer Anzeige für die Produkte des Wettbewerbers. In diesem Fall hat der Bundesgerichtshof die Entscheidung des Berufungsgerichts bestätigt, das eine Verletzung der Unternehmensbezeichnung und einen entsprechenden Unterlassungsanspruch mit der Begründung verneint hatte, es fehle an der für die Verletzung der Unternehmensbezeichnung erforderlichen Verwechslungsgefahr. Der Internetnutzer nehme nicht an, dass die in dem gesonderten Anzeigenblock neben der Trefferliste erscheinende Anzeige von der Beta Layout GmbH stamme. Diese tatrichterliche Feststellung des Verkehrsverständnisses war nach Auffassung des Bundesgerichtshofs nicht zu beanstanden. Da der Schutz der Unternehmensbezeichnungen anders als der Markenschutz nicht auf harmonisiertem europäischem Recht beruht, kam in diesem Verfahren eine Vorlage an den Europäischen Gerichtshof nicht in Betracht

Quelle: Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs Nr. 17/09

Beschluss vom 22. Januar 2009 – I ZR 125/07 – Bananabay

LG Braunschweig – Urteil vom 7. März 2007 – 9 O 2382/06

OLG Braunschweig – Urteil vom 12. Juli 2007 – 2 U 24/07 – MMR 2007, 789

Urteil vom 22. Januar 2009 – I ZR 139/07 – pcb

LG Stuttgart – Urteil vom 13. März 2007 – 41 O 189/06

OLG Stuttgart – Urteil vom 9. August 2007 – 2 U 23/07 – WRP 2007, 649

Urteil vom 22. Januar 2009 – I ZR 30/07 – Beta Layout

LG Düsseldorf – Urteil vom 7. April 2006 – 34 O 179/05

OLG Düsseldorf – Urteil vom 23. Januar 2007 – 20 U 79/06 – WRP 2007, 44

Bei Fragen zum Urheberrecht, Markenrecht und Internetrecht steht Ihnen Rechtsanwalt Kujawa gern zur Verfügung.

Bauersfeld & Partner | Rechtsanwälte | Friedrichstrasse 41 | 10969 Berlin | Tel.: 030-2593262-0

Kontakt zum Anwalt
Neuere Artikel:
Vorige Artikel:
 
Markenrecht Aktuelles
Markenrecht-EntscheidungenBGH zur Beweislast im Streit um angeblich gefälschte "Converse-Schuhe" und Parallelimporte
19.03.2012 | Rechtsanwalt Kujawa

In einem Streit um angeblich gefälschte Schuhe der Marke CONVERSE hatte sich der Bundesgerichtshof (BGH) unter anderem mit grundsätzlichen Beweisfragen auseinander zu setzen. Nach Ansicht des mit der Sache be [ ... ]


Markenrecht-MitteilungenLG München zum Streitwert von markenrechtlichen Unterlassungsansprüchen
15.03.2012 | Rechtsanwalt Kujawa

Mit Beschluss vom 29. Juli 2011 hat das Landgericht München zum anzusetzenden Streitwert in einem auf markenrechtliche Unterlassung gerichteten Verfahren ausgeführt. In der Sache, bei der es um eine Verletzu [ ... ]


Markenrecht-MitteilungenBGH legt dem EuGH Fragen zur rechtserhaltenden Benutzung von Marken vor
25.11.2011 | Rechtsanwalt Kujawa

Eingetragene Marken müssen auch im Verkehr benutzt werden, damit dem jeweiligen Inhaber die Rechte an dem Kennzeichen erhalten bleiben. Nach fünfjähriger Nichtbenutzung können Ansprüche aus dem Kennzeichen [ ... ]


Markenrecht-EntscheidungenMarkenrecht - Internetrecht - BGH zur kennzeichenrechtlichen Haftung des Admin-C
15.11.2011 | Rechtsanwalt Kujawa

Unter dem Gesichtspunkt der Störerhaftung können kennzeichenrechtliche Ansprüche wegen einer Verletzung durch die Registrierung von Domain-Namen nicht nur gegen den Anmelder bestehen, sondern unter Umstände [ ... ]


Markenrecht-EntscheidungenBGH entscheidet zugunsten von Microsoft in Rechtsstreit über Windows-Software mit Echtheitszertifikaten
06.10.2011 | Rechtsanwalt Kujawa

Der Bundesgerichtshof hat mit einer Entscheidung vom 6. Oktober 2011 zugunsten der Microsoft Corporation entschieden. Bei dem Streit ging es im Wesentlichen um die Frage, ob Windows-Recovery-CDs zu gebrauchten  [ ... ]


Markenrecht-MitteilungenWarnung vor amtlich wirkenden Zahlungsaufforderungen durch private Unternehmensverzeichnisse wie IBIP
25.08.2011 | Rechtsanwalt Kujawa

Markenanmeldungen sind - ebenso wie zum Beispiel Unternehmenseintragungen in das Handelsregister -  öffentlich zugänglich und für jedermann einsehbar. Die zuständigen Markenämter veröffentlichen alle rel [ ... ]


Markenrecht-EntscheidungenKino Delphi - Verwendung eines verwechslungsfähigen Namens eines Kinos für ein Gebäude
04.08.2011 | Rechtsanwalt Kujawa

Die Verwendung eines verwechslungsfähigen Namens eines Kinos für ein historisch bedeutsames und architektonisch schutzwürdiges Gebäude kann kennzeichenrechtlich hinzunehmen sein, wenn in dem Gebäude frü [ ... ]


Markenrecht-MitteilungenEinstweilige Verfügung - Zu langes Zuwarten im Eilverfahren
16.04.2011 | Rechtsanwalt Kujawa

Soll z.B. in Markensachen eine einstweilige Verfügung erwirkt werden, bedarf es neben dem Verfügungsanspruch eines Verfügungsgrunds, der im wesentlichen die besondere Eilbedürftigkeit der Sache voraus setzt [ ... ]


Markenrecht-EntscheidungenMarkenbeschwerdeverfahren - "Das segelnde Klassenzimmer" für Segelschulen und Schiffsreisen mangels Unterscheidungskraft zu löschen
04.02.2011 | Rechtsanwalt Kujawa

Sowohl zum Eintragungs- als auch zum Entscheidungszeitpunkt fehlt bzw. fehlte der angegriffenen Marke "Das segelnde Klassenzimmer" die erforderliche Unterscheidungskraft. Die Wortfolge wird in Bezug auf die  [ ... ]


Markenrecht-MitteilungenMarkenrecht - BGH zum Schutz des Lindt-Goldhasen
22.07.2010 | Rechtsanwalt Kujawa

Der u. a. für das Markenrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hatte (...) erneut darüber zu befinden, ob aus der für Schokoladenwaren eingetragenen dreidimensionalen Marke "Lindt-Goldhas [ ... ]


Weitere Artikel