Home Internetrecht Entscheidungen

Internetrecht - Domainname kann auch auf den Namen eines Vertreters registriert werden

Der u. a. für das Namens- und Kennzeichenrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hatte darüber zu entscheiden, ob es unter bestimmten Umständen zulässig sein kann, einen fremden Domainnamen für sich zu registrieren.

Der Kläger trägt den Familiennamen Grundke. Er hat sich dagegen gewandt, dass der Domainname "grundke.de" für den Beklagten registriert ist, und hat von diesem die Freigabe des Domainnamens verlangt. Der Beklagte heißt selbst nicht Grundke. Er ist aber von der Grundke Optik GmbH im April 1999 beauftragt worden, diesen Domainnamen registrieren zu lassen und für die Grundke Optik eine Homepage zu erstellen. Bei der DENIC e. G. ist als Inhaber der Domain der Beklagte registriert. Bis auf eine kurze Unterbrechung im Sommer 2001 erschien auf der Homepage "grundke.de" seitdem der Internetauftritt der Grundke Optik.

Das Landgericht hat die Klage abgewiesen, weil der Domainname letztlich von der Grundke Optik und damit von einem Namensträger genutzt wird. Dagegen hat das Berufungsgericht der Klage mit der Begründung stattgegeben, der Beklagte dürfe auch mit Zustimmung eines Namensträgers den Domainnamen nicht in eigenem Namen registrieren lassen. Die hiergegen eingelegte Revision hatte Erfolg.

Der Bundesgerichtshof hat zunächst bestätigt, dass grundsätzlich schon die Regis-trierung eines fremden Namens als Domainname ein unbefugter Namensgebrauch ist, gegen den jeder Namensträger unter dem Aspekt der Namensanmaßung vorgehen kann. Das gilt jedoch nicht, wenn der Domainname im Auftrag eines Namensträgers reserviert worden ist. Wegen des im Domainrecht unter Gleichnamigen geltenden Prioritätsprinzips, wonach eine Domain allein demjenigen zusteht, der sie zuerst für sich hat registrieren lassen, müssen die anderen Namensträger aber zuverlässig und einfach überprüfen können, ob eine derartige Auftragsreservierung vorlag. Das ist insbesondere der Fall, wenn unter dem Domainnamen die Homepage eines Namensträgers mit dessen Einverständnis erscheint. Es sind aber auch andere Möglichkeiten denkbar, wie die Auftragsregistrierung gegenüber anderen Namensträgern in prioritätsbegründender Weise dokumentiert werden kann.

Im Streitfall lag bei Registrierung des Domainnamens ein Auftrag der Grundke Optik zur Erstellung ihrer Homepage vor. Diese Homepage wurde auch alsbald freigeschaltet, bevor der Kläger seine Ansprüche geltend gemacht hat. Damit steht der Grundke Optik gegenüber dem Kläger die Priorität für den Domainnamen grundke.de zu, auf die sich der Kläger aufgrund des ihm erteilten Auftrags berufen kann. Dabei ist nicht entscheidend, ob zwischen der Grundke Optik und dem Beklagten ausdrücklich vereinbart war, dass die Registrierung auf den Namen des Beklagten erfolgt. Für die Priorität der Registrierung des Domainnamens kommt es auf Einzelheiten des Auftragsverhältnisses nicht an, wenn es tatsächlich bestand und etwa durch Freischaltung einer Homepage des Namensträgers nach außen dokumentiert worden ist.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesgerichtshofes Nr.: 21/07

Urteil vom 8. Februar 2007 – I ZR 59/04

LG Hannover - Urteil vom 18.11.2003 – 18 O 300/02 ./. OLG Celle- Urteil vom 8.4.2004 – 13 U 213/03

Bei Fragen zum Urheberrecht, Markenrecht und Internetrecht steht Ihnen Rechtsanwalt Kujawa gern zur Verfügung.

Bauersfeld & Partner | Rechtsanwälte | Friedrichstrasse 41 | 10969 Berlin | Tel.: 030-2593262-0

Kontakt zum Anwalt
Neuere Artikel:
Vorige Artikel:
 
Internetrecht Aktuelles
Internetrecht-EntscheidungenBGH zu Postfach als Widerrufsadresse bei Fernabsatzverträgen
27.01.2012 | Rechtsanwalt Kujawa

Bei Fernabsatzgeschäften, unter anderem also auch bei Online-Käufen, muss der Verbraucher über sein gesetzliches Widerrufsrecht und die Einzelheiten der Ausübung informiert werden. Dabei muss insbesondere a [ ... ]


Internetrecht-EntscheidungenDENIC muss Domainnamen in Fällen eindeutigen Missbrauchs löschen
01.11.2011 | Rechtsanwalt Kujawa

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte sich in einer Entscheidung vom 27. Oktober 2011 erneut mit der Frage auseinanderzusetzen, unter welchen Voraussetzungen die DENIC die Registrierung eines beanstandeten Domain-N [ ... ]


Internetrecht-EntscheidungenBGH zur Verantwortlichkeit eines Hostproviders für einen das Persönlichkeitsrecht verletzenden Blog-Eintrag
25.10.2011 | Rechtsanwalt Kujawa

Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) hat sich in einer Entscheidung vom heutigen Tage mit der Frage auseinander gesetzt, unter welchen Umständen der Hostprovider eines Webblogs für die Verbreitung  [ ... ]


Internetrecht-EntscheidungenBGH zu Angebot in einer falschen Suchrubrik einer Internethandelsplattform
07.10.2011 | Rechtsanwalt Kujawa

Das Einstellen eines zum Verkauf angebotenen Gegenstands in einer falschen Rubrik einer Online-Verkaufsplattform wie ebay ist u.U. als unwahre Angabe zu qualifizieren. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat sich mit  [ ... ]


Weitere Artikel